Manager zu Säure-Anschlag: "Habe noch Glück gehabt"

In einem Interview hat sich Innogy-Manager Bernhard Günther jetzt ausführlich zu dem Anschlag und den Folgen geäußert. Bernhard Günther, Finanzvorstand bei "innogy", beim Joggen von Unbekannten mit Säure attackiert! Die Ermittler hätten "wohl noch keine konkrete Spur zu den Tätern", sagte Günther dem "Handelsblatt" (Freitagsausgabe). Es gebe ein weites "Spektrum an möglichen Motiven": "von Kursmanipulationen und Übernahmeplänen, über meine Tätigkeit bei Innogy oder auch andere berufliche Motive bis hin zum Privatleben". "Solange man nichts Konkretes weiß, kann man auch nichts ausschließen", sagte Günther. Er habe eine Theorie, aber die wolle er für sich behalten, sagt Günther. Nur 300 Meter von seinem Haus in Haan entfernt wurde er an einem Sonntag mit Säure übergossen. Während ihn einer zu Boden geworfen und festgehalten habe, habe ein anderer ein Gefäß geöffnet und dieses über ihm geleert. Der Angriff habe nur wenige Sekunden gedauert, die Täter hätten nichts gesagt.

Günther sei dann nach Hause gelaufen, habe möglichst viel von der Flüssigkeit abgewaschen und selbst den Notruf gewählt. Aus medizinischer Sicht habe er Glück im Unglück gehabt. Sein Sehvermögen sei intakt. Körperlich sei er noch nicht wieder zu hundert Prozent belastbar, die Genesung komme aber voran. "Die seelische Verarbeitung braucht natürlich länger". Es sei "besonders schwierig, mit so einer Tat umzugehen, solange sie nicht aufgeklärt ist". Doch mit dem Interview kehrt Günther einen Schritt weiter in die Öffentlichkeit zurück. Je bekannter ihm die Menschen seien, umso leichter falle ihm das. "Ich bekomme schon mit, dass viele Leute im ersten Moment etwas erschrecken. Aber dem muss ich mich stellen".

Eine Woche nach dem Überfall auf Günther wurden Pläne der Energiekonzerne Eon und RWE bekannt, die RWE-Tochter Innogy zu zerschlagen und unter sich aufzuteilen. Günther hat die Arbeit wieder aufgenommen. Ökonomisch sehe er aber "durchaus eine unternehmerische Logik" in dem Vorhaben: "Die neuen Unternehmen hätten schon eine größere Wucht". Mutmaßlich also bis Ende 2019, wenn Innogy unter Eon und RWE aufgeteilt werden soll. Um seinen eigenen Job will er offenbar nicht mehr kämpfen: Seine Rolle als Finanzvorstand sehe er für den Fall der Zerschlagung von Innogy als "beendet" an. Darüber spüre er bei vielen Mitarbeitern "Wut und Enttäuschung", sagte Günther nun und verglich den Vorgang mit einem "Theaterstück", das "fröhlich" begonnen habe, nun aber einer "Tragödie" ähnele.


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