Thyssenkrupp-Chef Hiesinger will gehen

An der Börse legte der Kurs von Thyssenkrupp bis zum Freitagmittag deutlich zu.

"Ich habe den Aufsichtsrat darüber informiert, dass ich mein Mandat beenden möchte".

In einem Brief an die Mitarbeiter begründete Hiesinger seine Entscheidung damit, eine "grundsätzliche Diskussion" über die künftige Entwicklung des Konzerns ermöglichen zu wollen. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand gebeten, den Konzern zunächst ohne Vorsitzenden weiterzuführen, hieß es in einer Unternehmensmitteilung vom Freitag. Und das war nicht mehr da.

Von mangelndem Rückhalt durch die Krupp-Stiftung als Rücktrittsgrund war zuvor die Rede. Doch auch ihre Zweifel sollen gewachsen sein. Zugleich stellte er klar: "Wir werden keine Veränderungen ohne soziale Fairness zulassen". Ihr wesentliches Interesse ist es, stabile Dividenden zu erhalten, um die vielen kulturellen Stiftungsaufgaben zu erfüllen. Danach wollte der Manager den Konzern auf die Industriegeschäfte wie Aufzüge, Komponenten für die Automobilindustrie und den Anlagenbau konzentrieren. Forderungen von Investoren wie Cevian nach einer raschen Zerschlagung des Unternehmens hatte er aber stets abgelehnt. Sie glauben, dass die Einzelteile mehr wert sind als das Konglomerat.

Hiesinger übernahm den Chefposten vor sieben Jahren in einer tiefgreifenden Krise.

Der eher zurückhaltend auftretende ehemalige Manager des Siemens-Konzerns ging nach seinem Amtsantritt 2011 nicht nur die enormen Finanzprobleme an. In einem "strukturierten Prozess" solle ein Nachfolger für Hiesinger gefunden werden. Als ein möglicher Kandidat (mindestens für den Übergang) gilt Finanzvorstand Guido Kerkhoff.

Der Chef des Thyssenkrupp-Konzerns, Heinrich Hiesinger, gibt seinen Posten mit sofortiger Wirkung auf. Stattdessen gelangte an die Öffentlichkeit, dass es Gegenstimmen im Thyssenkrupp-Aufsichtsrat gab, als über das Bündnis mit dem indischen Konzern Tata entschieden wurde.

Hiesinger war im Zuge der Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata zuletzt immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder Cevian Capital aus Schweden mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Konzerns gefordert hatten.

Erstmals nach Monaten äußerte sich auch die Krupp-Stiftung als größter Einzelaktionär des Essener Industriekonzerns. Die Zukunft des Ruhr-Konzerns aber ist unsicherer denn je. Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath warnte vor einer Zerschlagung und einem Ausverkauf des Industriekonzerns.


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