Verkauf von Altpolicen: Generali überlässt Abwickler Viridium vier Millionen Leben-Verträge

"Finanziell aber ist er häufig sinnvoll - für Versicherer und Kunden", sagte Towers-Watson-Experte Michael Klüttgens.

Generali bricht ein Tabu: Der italienische Versicherer tritt seine deutsche Tochter Generali Leben mit vier Millionen Kunden an einen Abwicklungs-Spezialisten ab.

Der Versicherungskonzern Generali verkauft sein deutsches Geschäft mit traditionellen Lebenspolicen an den professionellen Abwickler Viridium. Die Generali-Aktie legte am Donnerstag um 2,2 Prozent zu.

Viridium wickelt alle Verträge bis zu deren Auslaufen ab, das kann Jahrzehnte dauern. Die Run-off-Skeptiker werden bleiben, und sie haben immer noch gute Argumente. Allerdings steht der Verkauf noch unter Vorbehalt der Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleisungsaufsicht (Bafin). Durch den Verkauf von Generali Leben werde sich die Kapitalquote der Deutschland-Tochter nach Solvency II um 43 Prozentpunkte verbessern.

Der Konzern aus Triest ist in Deutschland gleich mit zwei großen Lebensversicherungstöchtern vertreten: der AachenMünchener Lebensversicherung AG (Rang drei nach Allianz und R+V) und der Generali Lebensversicherung AG, der sechstgrößten Lebensversicherungsgesellschaft in Deutschland.

Die Generali Deutschland wird einen Anteil von 89,9 Prozent der Generali Leben an Viridium verkaufen und mit 10,1 Prozent Anteilen an der Generali Leben beteiligt bleiben. Außerdem wolle die Generali bis zu zehn Prozent an Viridium kaufen. Als Teil der Viridium-Gruppe profitierten die Versicherungsnehmer zudem von den Kostenvorteilen eines "maßgeblich auf Effizienz basierenden" Modells für das Bestandsmanagement, das auch zu einer höheren Überschussbeteiligung führe.

Die Erwerber - sogenannte Run-off-Firmen - müssen die bestehenden Verträge bis zum Ablauf weiterführen. Die langfristige Beteiligung an den Überschüssen - ein Teil der Verzinsung des Altersvorsorgeklassikers - könne sinken, die Qualität des Services könne leiden. Schließlich hätten sich Kunden beim Vertragsabschluss "ganz bewusst für einen Versicherer entschieden". "Wir befürchten, dass die Versicherten zukünftig deutlich schlechtergestellt sind", sagt der Chef des Bunds der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein. Verbraucherschützer warnen allerdings vor einer möglichen Schlechterstellung der Versicherten. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass der Deal zwischen Viridium und Generali Leben durchgehen könnte. Sie hat die Gesellschaft für das Neugeschäft stillgelegt und will künftig diese Sparte über die heutige Aachen Münchener und die Cosmos Direkt betreiben. Viridium verwaltet nach eigenen Angaben aktuell knapp eine Million Lebensversicherungen mit einem Vermögen von 15 Milliarden Euro. Am Ende lief es auf einen Zweikampf Viridium/Athene hinaus, den Viridium gewann. Die Gesamtbewertung der Generali Leben (100 Prozent) liegt bei rund einer Milliarde Euro, inklusive einer möglichen Preisanpassung in Höhe von 125 Millionen Euro, falls sich die Berechnungsregeln für die Zinszusatzreserve ändern. Davon betroffen ist die enorme Anzahl von 4,2 Millionen Policen mit dahinterstehenden Kapitalanlagen von über 37 Milliarden Euro. Die Generali hat sich zu keiner Hauruck-Aktion hinreißen lassen, sondern lange den Markt beobachtet, wahrscheinlich auch aus den Fehlern der Ergo gelernt und dann einen konsensfähigen Plan entwickelt. Viridium verwaltet bisher eine Million Verträge im Volumen von 16 Milliarden Euro, mit Generali würde sich der Bestand vervielfachen. Insgesamt fließen so 1,8 Milliarden Euro an das italienische Unternehmen.


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