China: USA starten "größten Handelskrieg" der Geschichte

"Die USA haben den größten Handelskrieg in der Geschichte losgetreten", wetterte das Handelsministerium in Peking.

Als die US-Zölle auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden US-Dollar am Freitag in Kraft traten, sagte Präsident Donald Trump, dass er zusätzliche Abgaben in Höhe von bis zu 500 Milliarden US-Dollar für chinesische Waren erwägen würde, sollte Peking sich revanchieren. Chinas Handelsministerium hatte für diesen Fall schon im Vorfeld Vergeltung in gleicher Höhe angekündigt. Trump verhält sich bei der Begründung seiner Politik, wie so oft, widersprüchlich. Fast jedes fünfte Auto, das die Münchner auf dem weltgrößten Automarkt China verkaufen, kommt aus den USA.

Zunächst kämen die Zölle für Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar zum Einsatz, sagte Trump wenige Stunden vor dem Inkrafttreten. Im Gegenteil: Bereits in zwei Wochen könnte der US-Präsident die Strafzollschraube auf ein Volumen von 50 Milliarden Dollar drehen. "Und dann sind wir, wie bekannt ist, auf weitere 200 Milliarden eingestellt, und nach den 200 Milliarden sind wir auf 300 Milliarden eingestellt". "Der Rest der Welt sollte nicht zurückweichen".

Die USA und China bleiben im Handelsstreit auf Konfrontationskurs. Daimler gab bereits eine Gewinnwarnung. US-Firmen in China kritisierten die Strafzölle auch als "kontraproduktiv".

Als problematische gilt das besonders auch deswegen, weil Trump nicht nur China ins Visier genommen hat, sondern auch die Europäer - speziell Deutschland - und die beiden Nachbarländer Mexiko und Kanada. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die betroffenen Handelsvolumina derzeit noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte.

Die chinesischen Politiker wollen eine Eskalation immer noch vermeiden und senden hinter den Kulissen weiter Kompromissangebote nach Washington.

Ein ausgewachsener Handelskrieg mit Strafzöllen auf den gesamten Handel könnte nach Schätzungen von Experten das Wachstum in beiden Ländern in diesem Jahr um 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte reduzieren - und im nächsten Jahr um einen halben Prozentpunkt. Die US-Wirtschaft lebt zu zwölf Prozent vom Export, Chinas Wirtschaft sogar zu 20 Prozent.

Jenseits verkraftbarer kurzfristiger Folgen drohe langfristig "mehr Unheil", weil die globalen Produktionsketten der Unternehmen reißen könnten, schrieben die Volkswirte der Commerzbank. Im ganzen Land müssten Hersteller ganz unterschiedlicher Waren, vom Flugzeug bis zum Herzschrittmacher, ihre Produktion einstellen. US-Präsident Donald Trump begründet seine Strafzollpolitik mit dem enormen Handelsdefizit seines Landes gegenüber China.

Damit folgt Peking als Reaktion auf die Verhängung von Strafzöllen durch die US-Regierung dem Beispiel etwa der Europäischen Union und Kanadas. Auch von dort sind bereits Vergeltungszölle in Kraft gesetzt worden. Kritiker glauben, dass ein Teil von Trumps in der Unternehmerschaft gefeierter Steuerreform dadurch neutralisiert werden kann. Das fängt beim preiswerten Stahl als Ausgangsprodukt für viele Branchen an: US-Getränkehersteller fürchten, den Preis für Dosenlimo anheben zu müssen; Anbieter von Fahrwerken kämpfen jetzt schon mit höheren Kosten - und das zieht sich durch viele Branchen. Als Vergeltung erhebt China Sonderabgaben auf landwirtschaftliche US-Erzeugnisse wie Sojabohnen, Fisch, Schweinefleisch, Rindfleisch und Molkereiprodukte.


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